Psychotherapeutische Sprechstunden

 

Ablauf einer psychotherapeutischen Sprechstunde

Die psychotherapeutische Sprechstunde dient der ersten Abklärung, ob bei Ihnen ein psychotherapeutischer Behandlungsbedarf besteht und welche weiteren Schritte sinnvoll sind. In einem zeitlich begrenzten, strukturierten Gespräch erhalten Sie die Möglichkeit, Ihre aktuelle Situation, bestehende Beschwerden und Belastungen zu schildern. Gemeinsam wird eingeordnet, ob eine psychische Störung mit Krankheitswert vorliegt und ob eine ambulante Psychotherapie oder eine andere Form der Unterstützung für Sie in Frage kommt.

In der Sprechstunde können erste diagnostische Einschätzungen getroffen, Empfehlungen zum weiteren Vorgehen gegeben und gegebenenfalls Hinweise auf geeignete Behandlungsangebote ausgesprochen werden. Dazu gehört beispielsweise die Frage, ob eher eine Einzel- oder Gruppentherapie, eine bestimmte Therapierichtung oder ergänzende Hilfsangebote (z. B. Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, ärztliche Mitbehandlung) passend sein könnten. Sie erhalten zudem Informationen zu organisatorischen Rahmenbedingungen wie Umfang und Dauer einer Behandlung, Abläufen der Antragstellung bei der Krankenkasse sowie voraussichtlichen Wartezeiten.

Die Teilnahme an der psychotherapeutischen Sprechstunde ist für Sie unverbindlich und erfolgt unabhängig davon, ob Sie sich im Anschluss für eine Behandlung in der Praxis entscheiden bzw. ob ein anschließender Therapieplatz zeitnah zur Verfügung steht. Das Gespräch kann dazu beitragen, Ihre Beschwerden besser zu verstehen, eine erste Orientierung zu gewinnen und mehr Klarheit darüber zu erhalten, welche Unterstützung Sie derzeit benötigen. Inhalte der Sprechstunde unterliegen der Schweigepflicht und werden vertraulich behandelt.

Psychotherapeutische Einzeltherapie

 

Ablauf einer ambulanten Einzeltherapie

In der psychotherapeutischen Einzeltherapie arbeiten Sie in einem geschützten Rahmen im direkten Gespräch mit der Therapeutin bzw. dem Therapeuten an Ihren persönlichen Themen. Im Mittelpunkt stehen Ihre aktuellen Beschwerden, Ihre Lebenssituation sowie die Frage, welche inneren und äußeren Faktoren zur Entstehung und Aufrechterhaltung Ihrer Schwierigkeiten beitragen. Gemeinsam werden Ziele für die Behandlung entwickelt und individuell passende therapeutische Schritte geplant.

Die Sitzungen finden in der Regel in einem festen zeitlichen Rhythmus statt und dauern 50 Minuten. Zu Beginn der Behandlung stehen häufig eine genauere diagnostische Klärung, das Verständnis Ihrer Symptomatik und die Erarbeitung eines gemeinsamen Erklärungsmodells im Vordergrund. Im weiteren Verlauf geht es darum, neue Sichtweisen zu entwickeln, konkrete Bewältigungsstrategien aufzubauen und hilfreiche Veränderungen im Erleben und Verhalten im Alltag zu erproben und zu festigen.

In der Einzeltherapie kann besonders intensiv auf Ihre persönliche Geschichte, Ihre individuellen Bedürfnisse und Ihr Tempo eingegangen werden. Themen, die Ihnen schwerfallen oder mit Scham, Unsicherheit oder Angst verbunden sind, können in einem vertrauensvollen therapeutischen Verhältnis behutsam angesprochen und bearbeitet werden. Die Inhalte der Sitzungen unterliegen der Schweigepflicht und werden vertraulich behandelt.

Eine psychotherapeutische Einzeltherapie kann, je nach Anliegen und Verlauf, in eine überwiegend gruppentherapeutische Behandlung übergehen. Zu Beginn findet die Therapie im Einzelsetting statt, um Ihre Situation vertieft zu verstehen, eine stabile therapeutische Arbeitsbeziehung aufzubauen und gemeinsam zu prüfen, ob und in welcher Form eine Gruppe für Sie geeignet ist. Im weiteren Verlauf kann dann eine Kombinationsbehandlung erfolgen, bei der der Schwerpunkt auf der Gruppentherapie liegt und Einzelgespräche ergänzend eingesetzt werden, zum Beispiel zur Vorbereitung oder Nachbereitung von Gruppensitzungen oder für Themen, die Sie zunächst nicht in der Gruppe bearbeiten möchten. Dieses Vorgehen ermöglicht es, die Vorteile beider Formate zu nutzen: den geschützten Rahmen der Einzelgespräche und die Erfahrungen von Austausch, Rückmeldung und gemeinsamer Entwicklung in der Gruppe.

 

 

 

Psychotherapeutische Gruppentherapie

 

Ablauf einer ambulanten Gruppentherapie

Am Beginn steht im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde ein persönliches Erstgespräch im Einzelsetting. In diesem Termin wird gemeinsam geklärt, ob ein psychotherapeutischer Behandlungsbedarf vorliegt und welche Form der Behandlung sowie welche Therapierichtung für Sie sinnvoll sind. Wenn eine Gruppentherapie empfohlen wird und ein Platz in einer geeigneten Gruppe frei ist, kann die Behandlung oft zeitnah starten. Üblicherweise folgen anschließend weiterführende probatorische Einzelgespräche. Diese dienen einer vertieften diagnostischen Einschätzung, dem Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Arbeitsbeziehung sowie der Vorbereitung auf den Einstieg in die Gruppe.

Wenn Sie sich nach den probatorischen Terminen für eine Behandlung in der Gruppe entscheiden, wird ein Antrag auf Gruppenpsychotherapie bei Ihrer Krankenkasse eingereicht. Nach einer Bewilligung beginnt die eigentliche Gruppentherapie. Die Sitzungen finden bis auf Urlaubszeiten wöchentlich statt. Eine Gruppentherapeutische Sitzung dauert 100 Minuten und die Gruppe besteht üblicherweise aus 6 bis 9 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. 

Gruppen werden nicht ausschließlich nach Diagnosen zusammengestellt, sondern auch unter Berücksichtigung Ihrer aktuellen Lebenssituation und der Themen, an denen Sie arbeiten möchten. Welche Anliegen Sie in die Gruppe einbringen, entscheiden Sie selbst. Sie können aktiv mitarbeiten oder zunächst eher eine beobachtende Rolle einnehmen. Je nachdem, was sich in der jeweiligen Sitzung für Sie passend anfühlt. Es besteht kein Druck, persönliche Inhalte mitzuteilen, wenn Sie sich dazu (noch) nicht bereit fühlen. Die Inhalte der Sitzungen unterliegen der Schweigepflicht und alle GruppenteilnehmerInnen werden gebeten eine Vereinbarung zu unterschreiben, die diese Vertraulichkeit festhält.

Gruppentherapeutische Sitzungen folgen einer Struktur mit wiederkehrenden Elementen (eröffnende Eingangsrunde, abschließende Reflexionsrunde) und flexiblen Elementen. Der flexible Teil orientiert sich an den eingebrachten Themen oder an den therapeutischen Angeboten der Therapeutin bzw. des Therapeuten. 

An gesetzlichen Feiertagen sowie während Urlaubszeiten finden keine Gruppensitzungen statt. Die jeweiligen Termine werden frühzeitig und für mehrere Monate im Voraus bekanntgegeben. Die Abwesenheit an einzelnen Terminen ist bei sechs oder mehr TeilnehmerInnen unausweichlich jedoch sollte bei der Teilnahme an einer Gruppentherapie die Bereitschaft für Verbindlichkeit zugrunde liegen. Verlässlichkeit und regelmäßige Anwesenheit sind für die Wirksamkeit der Gruppentherapie von zentraler Bedeutung

 

Gruppentherapie oder Einzeltherapie?

Aktuelle Übersichtsarbeiten (z.B. Rosendahl et al., 2021)  zeigen, dass Gruppentherapien bei vielen psychischen Belastungen sehr wirksam sind und im Durchschnitt ähnlich gut helfen können wie eine Einzeltherapie. Gruppentherapien erlauben den Einsatz erweiterter Methoden zum Beispiel unterschiedliche Perspektiven der anderen, gemeinsame Übungen, Rollenspiele oder gruppendynamische Erfahrungen wie Zugehörigkeit und Unterstützung. Gleichzeitig gibt es Aspekte, die die Gruppentherapie von der Einzeltherapie unterscheiden und die vor der Entscheidung für eine Gruppe bedacht und persönlich überprüft werden sollten. So bietet die Einzeltherapie mehr ungeteilte Zeit nur für Ihre Themen, während die Gruppe zusätzliche Chancen im Miteinander, aber auch mehr Kontakt mit anderen Menschen mit sich bringt.

Zu Beginn können in einer Gruppe Schüchternheit, Hemmungen oder Unsicherheit auftreten. Für manche Menschen ist es zunächst herausfordernd, sich in einer Gruppe zu öffnen und die anfänglichen Hürden zu überwinden. Gleichzeitig können gerade in der Gruppe diese Hemmungen, Unsicherheiten, aber auch wiederkehrende Konflikte oder Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich in einem geschützten Rahmen unmittelbar erlebt, gemeinsam angeschaut und schrittweise verändert werden. Durch überschaubare Gruppengrößen entsteht häufig relativ früh eine vertrauensvolle Atmosphäre. In dieser verringert sich die anfängliche Hemmschwelle meistens. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten, dass sie sich mit ihren Themen zunehmend sicher und verstanden fühlen. Zudem besteht in einer psychotherapeutischen Gruppe der Mehrwert darin, wohlwollende und authentische Rückmeldungen von anderen Gruppenmitgliedern sowie von der Therapeutin bzw. dem Therapeuten zu erhalten. Diese Rückmeldungen können genutzt werden, um eigene Verhaltensmuster besser zu verstehen und Veränderungen im Alltag auszuprobieren und zu festigen.

Austausch über persönliche Erfahrungen, Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und Ermutigung zählen zu den spezifischen Wirkfaktoren der Gruppentherapie. Gleichzeitig ist es aufgrund der kleinen Gruppengröße weniger gut möglich, sich dauerhaft im Hintergrund zu halten. Wer vom Gruppenprozess profitieren möchte, sollte die Bereitschaft mitbringen, sich nach und nach einzubringen. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer empfinden es langfristig als entlastend, sich mit ihren Schwierigkeiten nicht alleine zu fühlen. Sie erfahren Verbundenheit, erhalten Anregungen durch hilfreiche Strategien anderer, können zu Beginn auch einmal eher zuhören und zugleich selbst Schritt für Schritt einen unterstützenden Beitrag für andere leisten. Gruppentermine sind im Voraus festgelegt und an einen festen Zeitplan gebunden. Dadurch ist eine hohe Verbindlichkeit erforderlich, die jedoch zugleich die Grundlage dafür bildet, dass die Gruppe zusammenwachsen kann, Vertrauen entstehen und die positiven Wirkfaktoren der Gruppentherapie sich entwickeln können.

Rosendahl et al. (2021)

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